Wir lernen nur, wenn wir nicht vergessen

„Wissen Sie, Herr Pastor, dass unter Ihrer Kirche polnische Frauen liegen?“

Dieser Satz fiel im Gespräch eines älteren Hastedters mit dem Gemeindepastor im Jahr 1984. Dies war der erste Hinweis auf das Schreckliche, das während des 2. Weltkrieges an dem Ort geschah, wo im Jahre 1959 das neue Gemeindezentrum der Auferstehungsgemeinde feierlich eingeweiht wurde.

Auf diesem Gelände arbeitete die Großwäscherei Hayungs, die u.a. für die Kriegsmarine wusch und zeitweise mehr als 170 polnische Mädchen und Frauen als „Fremdarbeiterinnen“ beschäftigte, wie man es damals nannte. Für diese Zwangsarbeiterinnen gab es auf dem Gelände Baracken zum Wohnen. Als Schutz bei Bombenangriffen diente lediglich ein Erdbunker. Als am 12. Oktober 1944 bei einem Luftangriff große Teile Hastedts zerstört wurden, traf es auch die Wäscherei Hayungs –der Betrieb wurde völlig zerstört. Es ist unbekannt, wie viele verschüttete Frauen in dem Erdbunker ihr Grab fanden. Es gilt als sicher, dass nicht alle herausgeholt wurden.

Mitglieder der Auferstehungsgemeinde begannen, sich mit dieser „ihrer“ Vergangenheit zu beschäftigen. Unterstützung gab es vom Staatsarchiv Bremen und vom Verein „Geschichte der Arbeiterbewegung in Bremen“. Befragungen und Gespräche mit Zeitzeugen aus Hastedt kamen nur zögerlich in Gang, das Schreckliche war während der vergangenen 40 Jahre verdrängt worden. Am 18. November 1987 wurde diese Bilddokumentation erstmals gezeigt.

Am selben Tag wurde im Gemeindezentrum eine Gedenktafel für die polnischen Zwangsarbeiterinnen angebracht. Sie trägt den Text:

„Zum Gedenken an die polnischen Frauen, die hier
als Zwangsarbeiterinnen leiden und sterben mussten.
Wir lernen nur, wenn wir nicht vergessen.“
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