Rückkehr im Jahre 2000

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Daraufhin meldete sich der Ehemann einer ehemaligen Zwangsarbeiterin aus Bremen:

Zygmunt Czach Chelm, 05.07.2000
Katedralna 15/3
22-100 Chelm
Polska

Sehr geehrter
Herr Pastor Martin
Drakenburger Str. 39/42
28209 Bremen

Nach der Rückkehr nach Polen habe ich hier von meinem Besuch in Deutschland berichtet, der organisiert war für Zwangsarbeiter im Dritten Reich vom 18. bis 25.06.2000. Ich hatte Gelegenheit, mich über meine Erlebnisse und Veränderungen in eurem Land zu äußern. Ich danke Ihnen, auch im Namen meiner Frau, einer ehemaligen Zwangsarbeiterin, der 17-jährigen Helena Birunt, die in der Wäscherei Hayungs von 1943-1945 gearbeitet hat. Ich hatte Gelegenheit, den Ort zu besichtigen, wo meine Frau ihre schöne Jugend gelassen hat.

Ich möchte mich recht herzlich bedanken bei dem Verein „Valerian Wrobel“ für die Einladung zu diesem Treffen. Mir ist noch ganz gegenwärtig, wieviel Mühe Sie, Herr Pastor, auf sich genommen haben, um die Menschen in Hastedt, in Deutschland an das zu erinnern, was sich im Zweiten Weltkrieg abgespielt hat. Sie haben dazu beigetragen, dass diese Zeiten nicht in Vergessenheit geraten sind. Und Sie haben dafür gesorgt, dass die Tragödie der Zwangsarbeiterinnen in einer Gedenktafel fest gehalten sind. So, wie ich das verstanden habe, Herr Pastor, sammeln Sie weiter Dokumente zur Weiterbearbeitung dieser Geschichte. Ich weiß auch, dass Sie Probleme und viel Mühe mit dieser Dokumentationssammlung haben, weil die Ereignisse schon 50 Jahre her sind. Aber ich denke, dass die Schwierigkeiten zu überwinden sind, weil Sie sich das Ziel gesetzt haben, die Sammlung zu einem Ende zu bringen. Die Dokumentation habe ich mit großem Erstaunen und mit Bewunderung angesehen ebenso wie die schöne wunderbare Gedenktafel, die an die Frauen erinnert, die bei den Bombardements umgekommen sind und für immer in Ruhe
unter eurem Gemeindezentrum leben.

Ich habe gern der Übersetzung von Herrn Kaminski, Viktor zugehört, der sich bemüht hat, mir die Geschichte ganz genau nahe zu bringen. Deshalb bitte ich, ihm noch einmal recht herzlich, auch im Namen meiner Frau, Danke zu sagen.

Ich denke mir auch, dass Sie, geehrter Herr Pastor, nicht ruhen werden, solange die Dokumentation nicht vollständig bearbeitet ist. Ich denke, dass sie vielleicht eines Tages eine Liste aller Zwangsarbeiter finden, die bei Hayungs gearbeitet haben, und dass Sie diese Liste dann in Ihrer schönen Gemeinde veröffentlichen werden. Eure Gemeinde ist, wie ich weiß, gebaut auf den Trümmern der ehemaligen Wäscherei, und so eine Dokumentation belegt, dass man diese Ereignisse nicht vergessen hat. Vielleicht werden diejenigen, die Ihre Gemeinde besuchen und sich die Dokumentation anschauen, sich auch selbst wieder finden.
Meine Frau hat diese zwei Gruppenfotos aus der Zeit, als die Wäscherei noch intakt war. Es wäre schön, wenn wir davon Abzüge erhalten könnten.
Ich danke Ihnen nochmals dafür, dass ich mit Ihnen und den Mitarbeitern der Gemeinde Zeit verbringen und gemeinsame Gespräche haben konnte. Die
Erinnerungen an diesen Tag werden in meinem Gedächtnis bleiben bis an das Ende meines Lebens.

Mit herzlichen Grüssen
Zygmunt Czach
Ehemann der ehemaligen Zwangsarbeiterin bei „Hayungs“

(Übersetzung: Viktor Kaminski, 26.07.2000)

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