Zwangsarbeit in Bremen

Im Februar 1940 kamen die ersten polnischen Zwangsarbeiter nach Bremen. Am 13. Februar 1940 wurden auf einer Besprechung beim Arbeitsamt 1.260 polnische Arbeiter zugesichert, die vor allem in die Landwirtschaft sollten. Zwei Tage später trafen 110 Polen in Bremen ein. Sie kamen nicht freiwillig, sondern wurden zwangsweise verschleppt.

Die Unterbringung der ausländischen Arbeitskräfte erfolgte überwiegend in sog. „Gemeinschaftslagern“. Nicht alle dieser Lager waren Barackenlager mit Stacheldrahteinfriedung, Wachmannschaften usw. Es gab auch zahlreiche Kleinlager, die unmittelbar an den Arbeitsstellen eingerichtet waren. 1944 bestanden in Bremen ca. 200 Lager. Zu dieser Zeit waren im Stadtgebiet Bremen (ohne Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge) 38.567 Ausländer – ein Drittel der damaligen Wohnbevölkerung – zur Zwangsarbeit eingesetzt: 14.486 „Ostarbeiter“ (Sowjetbürger), 5.772 Franzosen, 3.035 Niederländer, 2.402 Belgier, 1.067 Polen und Menschen aus 13 weiteren Nationen.

Nach Kriegsende befanden sich in den Grenzen des Deutschen Reiches über 6 Millionen „Fremdvölkische“. In diesen 6 Millionen sind diejenigen nicht enthalten, die man vor 1945 in ihre Heimat zurückgeschafft hatte, weil sie wegen Krankheit für den Arbeitseinsatz nicht mehr in Frage kamen. Nicht enthalten ist auch die große Zahl derer, die die Rückkehr nicht mehr erleben konnten, weil sie durch die unmenschlichen Bedingungen starben.

Die ethischen und rechtlichen Klassifizierungen – Zivil- oder Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene mit je unterschiedlichem Berechtigungsgrad – diente der Errichtung eines Systems von Ungleichheiten und Privilegien, um die Solidarisierung der Ausländer untereinander zu verhindern. Auf der untersten Stufe in dieser Hierarchie standen, gemäß der rassischen Vorstellung vom osteuropäischen „Untermenschen“, die polnischen und russischen Zwangsarbeiter, die ein äußerlich sichtbares Zeichen an ihrer Kleidung tragen mußten, ein „P“ für Polen , ein „Ost“ für die sog. Ostarbeiter aus der UdSSR.

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